A. d. Französischen, m. e. Nachwort, ergänzenden Texten und Anmerk. versehen von Melanie Grundmann.
Berlin: Matthes und Seitz, 2011. ISBN 978-3-88221-549-6
Erstmals in deutscher Übersetzung: Théophile Gautiers 1833 veröffentlichte spöttische Geschichten sind das literarische Dokument einer Ära. Sie werden nun, anlässlich des 200. Geburtstags des Autors, auch den deutschen Lesern zugänglich gemacht. Die Erzählungen spiegeln den Aufbruch und die Enttäuschungen der romantischen Jugend im Frankreich nach der Julirevolution. Sie oszillieren zwischen Konformität und Wahnsinn, Originalität und Snobismus, Tugend und Heuchelei, Bürgerlichkeit und Dandysmus, Jugend und Ausweglosigkeit, Revolte und Ernüchterung. Die Satiren auf eine rein zweckbestimmte bürgerliche Gesellschaft sollten den ursprünglichen Leser zu eigenständigem Denken anregen. Die Probleme dieser Generation erweisen sich dabei als überraschend aktuell. Voller Witz und Charme führt Gautiers Erzähler ein Verwirrspiel mit seinem Leser.
Pressestimmen:
»In seinem Prosaerstling „Die Jeunes-France“ (1833) schildert der Autor mit der Empathie des langjährigen Pariser Bohèmiens, aber auch mit kaum unterdrückter spöttischer Distanz die lasziven Extravaganzen und frivolen Lustbarkeiten der ihn umgebenden hedonistischen Gesellschaft, ihr leichtsinniges Luxusleben und die selbstsüchtige Verschwendungssucht. Wir indes kommen so in den Genuss einer verschwenderisch sinnentrunkenen Prosa, die fortwährend vom Spiel der Verführung, aber auch vom Ernst des Selbstbetrugs getragen ist.« - Die Presse
»eine frühe Variante von Popliteratur«; Gautier betreibt »einen mit diskursiven Abschweifungen gekoppelten Oberflächenscan seiner kulturellen Umgebung, wie man es heute von Autoren wie Rainald Goetz oder Thomas Meinecke kennt« - taz
»ein literarisches Zeitzeugnis der besonderen Art. Nicht nur die Stimmung jener Epoche ist hier eingefangen, sondern auch das Schicksal einer ganzen Künstlergeneration, deren Avantgarde-Impuls nie zur vollen Entfaltung kam.« - Süddeutsche Zeitung
»Die "Spöttischen Geschichten" des jungen Gautier sind Zeugnisse einer herrlich durchgeknallten Subkultur.« - rbb Kulturradio
»In den soeben auf Deutsch erschienenen Kurzerzählungen «Die Jeunes-France» (ebenfalls von 1833) liefert Gautier Einblicke in die verschroben-exzentrischen Selbstdarstellungen der jungen romantischen Künstler. (...) Und schliesslich wirkt Gautier in der Technik des Romans modern, um nicht zu sagen postmodern, wenn es um die stets aufgebrochene oder zur Disposition gestellte Erzählperspektive geht. Immer wieder – in «Mademoiselle de Maupin», aber erst recht in den «Jeunes-France» – wird die Geschichte von einem nölenden Erzähler unterbrochen, der sich vom Geschehen abwendet und es spasseshalber aufs Herrlichste ironisiert. Er interveniert nicht nur, sondern er kungelt mit dem Leser, mokiert sich über seine Helden, nimmt sich selbst nicht ernst. (...) Formstrenge Dramaturgie scheint Gautier nur zu langweilen, mit den Spielformen, die er stattdessen anbietet, ist er aber schon ganz auf der Höhe einer viel späteren Zeit.« - Neue Zürcher Zeitung
»ungeheure Beobachtungsintensität spricht schon aus diesem frühen Text. Auch kommen Gautiers starke Idiosynkrasien gut zur Geltung. Der scharfzüngige Polemiker gegen historistischen Schwulst (...), der die "erlesene Kunst für die Blasierten" eines Gustave Moreau propagierte, er wird schon in diesem frühen Text in Umrissen erkennbar.« - Die Welt
»Rebellion der Langhaarigen: In „Die Jeunes-France. Spöttische Geschichten.“ wehrt sich die Pariser Jugend mit Ironie und schrillen Kleidern gegen das kalte Zweckdenken des neuen Bürgertums.« - Märkische Allgemeine
»wenn die Franzosen am 30. August den 200. Geburtstag des Künstlers feiern, dann wird vor allem vom Autor die Rede sein, einem brillanten Karikaturisten besonders in der kleinen literarischen Form, etwa den 1833 erschienenen Erzählungen "Les Jeunes France", die nun erstmals in deutscher Übersetzung vorliegen.Er beschreibt darin die Hoffnungen und Enttäuschungen der französischen romantischen Jugend nach der missglückten Julirevolution von 1830. Seine Erzählungen sind witzig, satirisch, kritisch und - obgleich sie eine gesellschaftspolitische Zustandsbeschreibung Frankreichs im frühen 19. Jahrhundert darstellen – erstaunlich heutig.« - SR 2 Kulturradio
»Die "Jeunes-France" stifteten der Gruppierung eine rebellische, Gautier aber eine schriftstellerische Identität.« - Badische Zeitung
Verlagsseite / Leseprobe / Kaufen
